Leistungen bei Verhinderung der Pflegeperson

Der größte Anteil der Pflege wird durch Angehörige geleistet. Ohne deren Hilfe ist häusliche Pflege kaum möglich, selbst wenn (zusätzlich) Pflegesachleistungen durch einen Pflegedienst erbracht werden.

Zudem ist die Versorgung durch Angehörige eine sehr anstrengende und belastende Aufgabe.

Das Pflegeversicherungsgesetz beinhaltet genau dafür zur zeitweiligen Entlastung der Pflegepersonen die Verhinderungspflege.

Die Verhinderungspflege kann in Anspruch genommen werden, wenn die Pflegeperson wegen Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert ist.

Es muss kein Nachweis über die Verhinderung erbracht und die Verhinderung muss nicht begründet werden!

Wichtig: Der Anspruch auf Verhinderungspflege besteht immer zusätzlich!

Die Verhinderungspflege kann selbst dann in Anspruch genommen werden, wenn die ambulanten Sachleistungen des Pflegedienstes (auch in Kombination mit der Tagespflege) voll ausgeschöpft werden.

Neben der Verhinderungspflege kann der Pflegedienst in dieser Zeit die Sachleistungen sowie andere Leistungen, z.B. häusliche Krankenpflege oder Betreuungsleistungen, erbringen.

 

Beispiel 1

Herr M. wird von seinem Bruder gepflegt, der dafür Pflegegeld erhält.

Damit sich der Bruder von der Pflege erholen kann, übernimmt im Rahmen der Verhinderungspflege ein Pflegedienst für eine Woche die Versorgung des Herrn M..

Für diese Woche erhält der Bruder 50 % des Pflegegeldes, obwohl er sich in dieser Zeit nicht um den Herrn M. kümmert.

Die Verhinderungspflege ersetzt die Pflegeperson(en).

Die Leistungen, die der Pflegedienst im Rahmen der Verhinderungspflege erbringt können Leistungen der Grundpflege und Hauswirtschaft sein, ebenso können darüber auch Spaziergänge oder Betreuung finanziert werden.

Beispiel 2

Der Sohn möchte am Gesprächskreis für pflegende Angehörige der Tagespflegeeinrichtung teilnehmen.

Er kann nur kommen, wenn seine Mutter in dieser Zeit beaufsichtigt wird.

Der Pflegedienst kann das  über die Verhinderungspflege abrechnen.

Auch wenn der Sohn einmal im Monat ins Kino  geht, springt der Pflegedienst stundenweise ein.

Fährt der Sohn  auf Geschäftsreise, kann der Pflegedienst für diese Zeit die Versorgung übernehmen

Die Pflegesachleistungen durch einen Pflegedienst bleiben davon unberührt.

Wenn die Verhinderungspflege in einem Monat in Anspruch genommen wird, stehen bei einem Pflegebedürftigen der Pflegegrad 2 hat,  neben den Sachleistungen von 689,00 Euro zusätzliche Leistungen der Verhinderungspflege über 1.612,00 Euro zur Verfügung.

Die Verhinderungspflege soll nur einen Zuschuss zu den notwendigen Leistungen darstellen.

Tipp:

Die Verhinderungspflege kann auch in einer stationären Pflegeeinrichtung in Anspruch genommen werden.

 

Bedingungen für die Verhinderungspflege:

  • Es muss eine Pflegeperson vorhanden sein und diese muss der Pflegekasse bekannt sein. Wenn keine Pflegeperson benannt wurde, kann auch keine Pflegeperson verhindert sein. Es ist sinnvoll, jede Pflegeperson der Pflegekasse gegebenenfalls nachträglich anzumelden.
  • Die Pflegeperson muss den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderung mindestens  sechs Monate gepflegt haben (unabhängig davon, ob ein Pflegegrad vorlag). Bei der sechsmonatigen Vorpflegezeit ist jegliche Art von Pflege, Betreuung und hauswirtschaftliche Versorgung ausreichend.

 

Die Verhinderungspflege kennt laut Gesetzestext zwei Höchstgrenzen:

 

  • Anspruch auf bis zu 8 Wochen
  •  1.612,00 Euro jährlich.

 

 Hinweis:

Sofern der Betrag der Kurzzeitpflege noch nicht ausgeschöpft wurde und noch bis zu 50% des Leistungsanspruches vorhanden sind, kann die Verhinderungspflege nur für Pflegedienste um bis zu 806 Euro auf insgesamt bis zu 2418 Euro, bei Leistugen durch Pflegedienst erhöht werden. Anspruch besteht auch ab Pflegegrad 2.